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Restaurierung

Die Glockenanlage wird saniert

Nachdem im Sommer der IV. Bauabschnitt am Dach und Dachstuhl abgeschlossen werden konnte ist es endlich gelungen, die Finanzierung der Sanierung der Glockenanlage  auf sichere Füße zu stellen.


Der Glockengießer Hermann Große hatte im Jahre 1868, nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, das Tangermünder Geläut als Zwanzigjähriger gegossen. Es wurde sein Meisterstück.


Im Oktober des Jahres 1869 wurden die Glocken (damals noch vier) auf der Elbe transportiert und in die   St. Stephanskirche gebracht. Hermann Großes beeindruckendes Erstlingswerk zählt zu den wenigen deutschen Großgeläuten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die bis heute in ihrer Vollständigkeit erhalten geblieben sind.


Archivfoto

Trotz Kriegsabgaben von Glocken kamen die Tangermünder Glocken wieder zurück und komplettierten das ursprüngliche Geläut.

Bei den Glocken handelt es sich um das einzige Dreiergeläut von tontiefen Glocken im Osten Deutschlands.

Die Glocke 1 wiegt  ca. 4000 kg bei einem Durchmesser von 196 cm (große Glocken /Mitte), Glocke 2 wiegt ca. 1.540 kg bei einem Durchmesser von 156 cm (mittlere Glocke / Südturm und Glocke 3 wiegt ca. 1.200 kg bei einem Durchmesser von 130 cm (kleine Glocke / Nordturm).

Die Glocken im Mittelteil und Südturm sind in Glockenstühlen aus dem Jahr 1770 aufgehängt. Der Glockenstuhl im Nordturm stammt aus dem Jahre 1869.

Vor allem durch die Auswechslung der historischen Holzjoche gegen gekröpfte Stahljoche im Jahr 1981 (bedingt durch die Mangelwirtschaft in der DDR) sind heute umfangreiche Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl und der ganzen Glockenanlage nötig.


Diese Stahljoche sollen wieder entfernt werden, da diese zu Schäden an den Glocken geführt haben.

Ferner müssen die gesamten Glockenstühle, sowie die darunter liegenden Deckenbalkenlagen umfangreich saniert und stabilisiert werden. Hierzu müssen diverse Holzbauteile ergänzt, ausgetauscht und erneuert werden.


Die Balken weisen Querschnitte zum Teil von 30/30 cm und Längen bis zu 7,20 m auf. Mit der Ausführung der Beräumungs-, Maurer,- und Zimmererleistungen wurden örtliche Handwerksfirmen beauftragt.

Für die Sanierung der Glockenanlage konnte eine Spezialglockenbaufirma aus Heidenau (Sachsen) gewonnen werden. Auch die Läuteanlage wird vollständig erneuert. Ziel ist es, dass die Glockenstühle incl. Glocken nach erfolgter Sanierung wieder in ihrem Originalzustand, wie beim Einbau 1869, versetzt werden.

So erhält das Glockengeläut seinen einzigartigen Klang wieder zurück, so wie es ursprünglich geplant und ausgeführt wurde. Auch werden die vorhandenen Holzläden im Bereich der Fenster der Glockenstube gegen zeitgemäße Schallluken mit Lammelenstruktur ausgetauscht. Damit wird auch die Schallausbreitung des Glockengeläutes verbessert.



Die Arbeiten beginnen noch im Dezember und ziehen sich bis in das Frühjahr 2010 hin.

Während dieser Zeit wird es notwendig werden, zeitweise einzelne oder aber auch die gesamte Glockenanlage außer Betrieb zu nehmen.                    


Jörg Jensen Architekt / Bauleitung